Nicht nur Krippenplätze lindern die Not

„Erst wenn es genügend Betreuungsplätze gibt, dann profitieren die Menschen, die es am dringendsten brauchen, nämlich gerade Alleinerziehende, Geringverdiener und die Bezieher von Transferleistungen“, ist der OB-Kandidat und Fraktionsvorsitzende der Wiesbadener SPD Sven Gerich überzeugt. Er nimmt damit Stellung zu den Ergebnissen einer Studie der Bertelsmann-Stiftung zum Armutsrisiko von Kindern in deutschen Großstädten.

„Um zu gewährleisten, dass Kinder aus schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen eine Chance haben, müssen wir schon bei der Kinderbetreuung ansetzen.“ Zahllose Untersuchungen der letzten Jahre machten, laut Gerich auf diese Tatsache aufmerksam. „Der Bildungsbereich ist der entscheidende Schlüssel zur gesellschaftlichen Teilhabe.“

Dazu gehöre, dass die Landeshauptstadt Wiesbaden vorab Betreuungsangebote für Grundschülerkinder am Nachmittag ausbaut, um, so ergänzt Gerich, „eine Erwerbsarbeit der Eltern zu sichern.“ Wichtiger seien aber "echte Ganztagsschulen" mit einem wertvollen Bildungsangebot, gerade und zuallererst in Stadtteilen wo besonders viele Kinder von Armut betroffen sind. Dafür sei aber das Land Hessen zuständig. „Ich setze auf einen Regierungswechsel im Land und nehme Thorsten Schäfer-Gümbel beim Wort 100 ‚echte Ganztagsschulen‘ im Grundschulbereich pro Jahr einzurichten“, so Gerich.

„Dass jedes vierte Kind in Wiesbaden von Armut bedroht ist, ist erschreckend. Armut darf auf gar keinen Fall zum Schicksal werden, schon gar nicht für die Jüngsten“, fordert Sven Gerich. „Kinder sind arm, weil ihre Eltern es sind. Um die Bildungschancen der Kinder zu erhöhen müssen wir uns aber auch an die Eltern wenden. Wir dürfen die Elternbildungs- und Unterstützungsangebote nicht außer Acht lassen“, ist der SPD-Mann überzeugt. Mit dem Ausbau der Kinder-Eltern-Zentren (KiEZ) und einer Stärkung der zielgruppenorientierten Elternbildung sei das Netz der frühen Hilfen für werdende und gewordene Eltern weiter gestärkt worden.

„Wir müssen die fördern, die die schlechteren Ausgangsbedingungen haben, nicht die die 7.000 Euro für ein Semester bezahlen können“, so Gerich. Das könne man auch durch eine konsequente kommunale Arbeitsmarktpolitik tun. Es sei durchaus richtig, wenn Herr Stadtrat Bendel mehr Jobs für Niedrigqualifizierte einfordere. „Diesen Mangel aber nur mit dem schulterzuckenden Ruf nach einem Möbelmarkt zu beantworten zeugt von Einfallslosigkeit“, kontert Gerich. Denn nicht ein großes Projekt löse die Beschäftigungsprobleme, sondern es seien viele kleine Ideen gefragt. Als Beispiel nennt Gerich die 25 Stellen bei der ELW für die Sauberkeit, in der Stadt, die auf SPD-Vorschlag im Haushalt verankert wurden.

Des Weiteren verweist der OB-Kandidat auf die Konzeption eines kommunalen Beschäftigungsprogramms, das derzeit erarbeitet wird. „Arbeit ist ein entscheidender Schlüssel zur Teilhabe an der Gesellschaft, daher muss sich Wiesbaden überlegen, was ihr diese Teilhabe und damit eine solidarische Stadtgesellschaft Wert ist.“